Teamwork

"Getting Things Done" geht am besten im Team. Egal ob man Bergsteigen geht, ein Haus baut, ein Restaurant betreibt, im Studium lernt oder Software baut. Im Team geht es am besten. Denn jeder kann seine unterschiedlichen Fähigkeiten mit einbringen. Man hilft, motiviert und reflektiert sich gegenseitig. Man schafft mehr, ergänzt sich gegenseitig und es macht mehr Spaß.
Das aus vieler Leute Arbeit gutes Teamwork wird, hängt von guter Kommunikation ab.
Leider findet diese Kommunikation bei heutigen white-collar workers in viel zu vielen Meetings per Video oder in Präsenz statt, aber Asynchrones Arbeiten ist besser.

Kommunikation

Das aus dem Werk einzelner ein großes Ganzes wird muss man sich absprechen. Teamwork ist vor allem Kommunikation.
Es gibt unterschiedliche Formen der Kommunikaton: Schriftlich oder mündlich. Distanzkommunikation (Video, Telefon, E-Mail, Chats, Brief etc) oder in räumlicher Nähe. Nicht alle Formen eignen sich für alle Aufgaben. Eine Fußballmannschaft braucht während des Spiels keinen Chat, aber klare Anweisungen des Trainers. Softwareentwicklung ohne schriftliche Anforderungen ist hilflos. Ein Gespräch auf der Beziehungsebene ist in einer E-Mail falsch. Entscheidend ist, jede Kommunikationsform passend einzusetzen, denn jede hat ihre eigenen Stärken und Schwächen.

Mündlich

Ein Gespräch unter vier Augen, aber auch ein (Video-)Telefonat oder nur ein Chat konzentriert sich auf den Gegenüber. Das ist wunderbar um soziale Bindungen zu stärken oder gemeinsam Probleme zu lösen. Das Vier-Augen-Gespräch, ein Tür-und-Angel-Gespräch, der Plausch an der Kaffemaschine oder Pair Programming kann wirklich gut sein. Auch ist synchrone Kommunikation schneller: Nachfragen können sofort beantwortet werden und helfen zu einem gemeinsamen Verständnis.
Aber synchrone Kommunikation erwartet das Feedback des anderen sofort: was über den Schreibtisch fragen, in das andere Büro laufen, anrufen, lange Meetings oder Videokonferenzen. Das ist zwar schön für den einen der seine Information sofort bekommt, aber manchmal hat schriftliches Arbeiten doch Vorteile.

Schriftlich

Text is the most socially useful communication technology. Die Schrift ist die wichtigste Hochkulturtechnik. Die Hochkulturen der Antike haben ihr Wissen aufgeschrieben und nicht am Lagerfeuer weiter erzählt. Denn nur wer schreibt bleibt. Schriftliche Kommunikation hat folgende Vorteilen:

Persistenz
Der größte Vorteil von schriftlicher Kommunikation ist die Beständigkeit. Nichts was man nochmal Fragen oder sich schwach dran erinnern muss, sondern nur nachlesen muss. Auch für sich selbst: Hat man nach einer Besprechung noch alles genau im Kopf wie man eine Lösuneg erarbeitet, fehlt am nächsten Tag doch ein Detail, nächste Woche noch mehr. Und Persistenz ermöglicht erst asynchrone Kommunikation.
Klarheit
Wenn der Vorteil von synchroner Kommunikation der schnelle Austausch ist, dann ist das auch der größte Nachteile: Im Sprechen lässt man vielleicht ein wichtiges Detail weg oder schweift zu sehr aus. Gesagtes wird eher missverstanden, überhört und vergessen. Wenn man etwas aufschreiben muss, hat man mehr Zeit den Satz vollständig und eindeutig zu schreiben.
Transparenz
Schriftliches Arbeiten kann die Transparenz erhöhen. Den Aufgeschriebenes kann jeder Beteiligte selbständig lesen, ohne jemand aktiv Fragen zu müssen. Das hilft wenn Teamkollegen helfen wollen, dann sind alle relevanten Informationen schon da und müssen nicht zig mal erklärt werden.
Ein besondere Art des Helfens ist der Peer-Review nach dem Vier-Augen-Prinzip, ein Peer-Review ist nur mit schriftlichen Wissen sinnvoll. Außerdem ist man in der Lage zu jedem Zeitpunkt eine Übergabe seiner Arbeit durchzuführen. Nicht nur in stundenlangen Gesprächen vor dem Urlaub, sondern immer.
Verbesserung
Verbesserung von bestehenden Wissen funktioniert besser, da die Verbesserung sich auf den schriftlichen Grundstock aufbauen. Jede Verbesserung sollte direkt in den bestehenden Text einfliessen und nicht nur als Nachtrag, der dann doch wieder verloren geht.
Das klappt am besten in einem Wiki.


Aber schriftliches Arbeiten ist aber erst mal anstrengender. Man muss seine Gedanken erst mal in Form und dann in Schriftform bringen. Das kann auch Vorteil sein, weil der Gegenüber einen klareren Gedanken erhält.

Am besten ist man kombiniert mündliches und schriftliches. Ein Termin zum Thema offene Fragen ist Zeitverschwendung. Ein Termin ist dann super wenn alle Beteiligten vorher wissen um was es gehen soll. Jeder Termin braucht eine schriftliche Agenda. Das kann eine Sammlung von offenen Fragen, die vorab rum geschickt werden, sein. Das kann aber auch ein offenes Issue oder ein ganzes Kanban-Board sein. Oder auch eine Wikiseite mit Unklarheiten oder gar Fehlern.

Asynchron und Synchron

Es gibt in der administrativen Kommunikation vor allem Entscheidungen über noch offene Sachverhalten und Nachfragen zu noch fremden Sachverhalten. Traditionell wird administrativen Arbeit in synchroner Kommunikation gemacht. Weil mal schnell was über den Tisch abklären oder nachfragen geht remote viel schwerer.

Asynchrones Arbeiten

Asynchrones Arbeiten ist vor allem schriftliches Arbeiten. So kann jede Partei entscheiden, wann sie zu beitragen möchte oder kann. Asynchrones Arbeiten ermöglicht dem Anderen im Team selbstbestimmter, aber auch effizienter zu sein.

Es werden Informationen zur Verfügung gestellt und zu einem späteren, passenden Zeitpunkt zur Kenntnis genommen. Sobald der Informationsempfänger über die notwendigen Kapazitäten verfügt antwortet er. So kann der Informationsempfänger störungsfrei arbeiten.

aus asynchrone Kommunikation

Man hat Zeit, wirklich über die Antwort nachzudenken, denn wenn man sofort reagieren muss, […] ist die erste Antwort auf eine bestimmte Situation oft nicht die beste Antwort, was wiederum die Qualität erhöht.

Asynchron ist ressourcenschonender, weil die schnelle Frage über den Schreibtisch oder mal kurz Telefonieren den Anderen aus dem Konzept bringt.

Es gibt Arbeiten, die eine volle Hirnleistung verlangen. Leute verstehen das nicht, wenn sie in Jobs tätig sind, die keine so harten Bedingungen stellen. Solche Verständnislosen haben keinerlei Scheu, Mitarbeiter zu unterbrechen, die sich im Zustand äußerster Konzentration um Problemlösungen bemühen.

Das Allerschlimmste in solchen Momenten absoluten Fokus ist es, wenn ein Vorgesetzter hereinkommt und fragt: »Wie weit sind Sie?« Die Verzweiflung, nicht nur abgelenkt, sondern genervt und vielleicht implizit getadelt zu werden, regt so sehr auf, dass 20 Minuten nicht reichen, um sich wieder zu versenken. 1

Im Vergleich zur üblichen "stell uns ein Termin ein wir besprechen das dann"-Kultur ist Asynchron ist auch schneller, weil man keine Termine planen muss und man nicht auf diese dann zwei Wochen warten muss. Nachfragen könne beantwortet werden, ohne das Fragesteller und Antwortgeber sich zeitlich oder gar örtlich zusammen treffen müssen.

Man kann asynchron einfach über E-Mails kommunizieren. Aber eine E-Mail-Team-Box kann man nicht sinnvoll sortieren, zuweisen und klassifizieren. Auch sind E-Mails schlecht um Wissen zu sammeln, man kann ja nur in veralteten, unvollständigen und unstrukturierten Postfächern suchen.
In einem Issue-Tracking-System kann man aktuelle und kommende Aufgaben jederzeit neu anordnen, sortieren und zuweisen. Das erschaffene Wissen soll dann in einem Wiki gesammelt und verwaltet werden.

Synchrones Arbeiten

Auch wenn ich grundsätzlich für asynchrones Kommunizieren bin. Synchrone Gespräche sind schneller und Entscheidungen lassen sich in einem Gespräch besser klären. Vor allem die Beziehungsebene ist viel besser, wenn man sich in die Augen schauen kann, das geht sogar in einer Videokonferenz. Auch beim asynchronen Arbeiten braucht man manche Meetings: ein Kickoff, regelmäßige vorbereitete Termine und auch ab und zu ein Kaltgetränk ohne Arbeitskram. Nur muss synchrones Arbeiten die Ausnahmen sein.

Aber es hilft jedem Gespräch, ob physisch oder fernmündlich, wenn die bereits bestehenden Fakten, schriftlich vorliegen und nicht erst erzählt werden müssen. Wenn man es schafft Entscheidungen schriftlich vorzubereiten, alle das auch Lesen und sich dann zu einem Telefon-, Video- oder Echtkonferenz trifft, geht die Entscheidung sogar schneller.

Man sollte asynchrone und schriftliche Kommunikation bevorzugen, und zu synchron und mit Bild zu eskalieren, wenn es nötig ist. via isotopp (leider depubliziert)

remote

Arbeit am Bau, Pflege oder Verkauf am Tresen muss man an einem bestimmten Ort machen. Aber alles was nur mit Information zu tun hat, z.B. Verwaltung oder IT, kann man, auch im Team, an unterschiedlichen Orten machen.
Egal ob man das jetzt Home Office, Telearbeit oder Remote Work nennt.
Für das immerwährende Telearbeiten müssen aber Möglichkeiten zur technischen und sozialen Interaktion geschaffen werden. Das sind digitale Hilfsmittel, wie email, Videotelefonie oder netzwerkfähige Software.

Es genügt dann aber nicht eine 8 Stunden Videokonferenz auf Dauerschleife zu schalten und so zu arbeiten wie man das bisher im Kontor, Büro oder im Coworkingspace gemacht hat.
Das vor sich hin arbeiten eines administrativen Arbeiters ist ja Zeit und Raum unabhängig. Aber die Kommunikation wird im Teleoffice die wichtigen Präsenzkanäle verlieren. Meetings, der berühmte Ratsch an der Kaffemaschine oder das über den Tisch fragen. Daher ist das wichtigste zu lernen asynchron zu arbeiten und vor allem zu führen.

Remote work, hat sich seit Covid19 von einem Modell einiger Kellernerds zu einer neuen Form von new work entwickelt. Leider hat sich der Begriff Homeoffice etabliert. Aber remote work kann man daheim machen, muss man aber nicht. Wer daheim kein Platz hat, es zu laut ist, oder man die örtliche Trennung zwischen Dienst und Freizeit braucht, kann auch von woanders remote arbeiten. Im coworking-space oder sogar im alten Büro. Wichtig ist nur das die jenigen die in einem Team zusammenarbeit, nicht zwingend an einem Ort sein müssen. Oft dreht sich die Kritik an Hoemoffice um dieses Missverständniss. Wenn Eltern klagen das sie am Küchentisch halt nix gebacken bekommen, weil die Kids laut sind, kann das sinnvoll sein ins Büro zurück zu gehen, aber nicht zwingend in das 100 km entfernte Büro in der Großstadt, sondern nur raus von daheim. Das kann im hippen Coworkingspace oder in eineme anderen Büro zu Untermiete. Hauptsache du fährst nicht eineinhalb Stunden, um dann doch in den Rechner zu starren oder gar in eine Videokonferenz zu brüllen.

Kanal

Es gibt unterschiedliche Kommunikationskanäle. Alle haben ihre Berechtigung, aber jeder hat seine Stärken und Nachteilen.

Telefon

Telefonieren ist synchrone Kommunikation mit Sprache auf Distanz. Kann super sein wenn ich dein Mailpingpong nicht mehr verstehe, oder im Issue Kommentarthread untergehen. Ist super wenn die Bude brennt, dann ruf 112 und schreib keine E-Mail (und wenn dann mit exclamation mark;).

Telefon ist aber weniger gut wenn Du mich anrufts, aus einem Gedanken reisst, mir Deine Gesichte erzählst die ich lieber erst mal gelesen hätte und ich dann nur antworten kann: ja lese ich mich ein, denke drüber nach und dann antwort ich Dir. Also bitte mach ein Termin oder frag kurz im Chat ob ich gerade Zeit habe.

Mail

Ich liebe E-Mails, weil sie asynchron sind und ich kann mit jedem auf der Welt kommunizieren. Man kann emails filtern und dadurch große Mengen an Kommunkation bewältigen. Emails sind auch der Eingangskanal für alle möglichen Benachrichtigungen aus Wikis, Issuetrackern, Monitorings oder anderen Systemen. Natürlich nur wenn man ordentliche Emails mit einem guten Subject und einem klaren Text schreibt.
Mails haben auch den Vorteil das man sie als nicht- oder gelesen markieren kann, bearbeiten oder zur Kenntniss nehmen und dann aus der Inbox raus archivieren kann. Chats sind da schlimmer weil man entweder 14 mal das gleiche liest, oder das relevante ganz übersieht.

Aber E-Mails sind nicht für alles gut: Innerhalb eines Teams ist mir ein Issuetracker lieber. Wenn aber E-Mails zum Mailpingpong ausarten, dann besser anrufen.
Auch sind E-Mail kein Wissenspeicher, wer in Mailordnern nach der Wissen aus einer E-Mail von 4 Monaten suchen, das sich aber zwischen noch geschärft oder verändert hat, der hat schon verloren. Wissen gehört in ein Wiki, denn Email ist ein Kommunikationswerkzeug, kein Kollaborationswerkzeug.

Chat

Chats sind großartig. Matrix, Whatsapp, Slack, Telegram oder Signal. Ich hab sie alle. Aber Chat ist ein Werkzeug für verschriftlichte, kurze, asynchrone Gespräche auf Distanz, Dinge für die eine E-Mail zu lang wäre. Ich könnte zwar telefonieren, das würde aber direkte Synchronität erzwingen. Daher sind Sprachnachrichten auch bähh.

Aber ein Chat ist kurzfristig. Man sollte bei Chats, vor allem Gruppenchats, akzeptieren das diese nicht gelesen werden. Es ist total dämlich wenn man vom anderen erwartet einen Chat länger als eine Bildschirmseite zu scrollen. Infos die in ein Chat gekippt werden können untergehen, das muss man als Sender akzeptieren. Selbstlöschende Nachrichten sollten ein Standard sein, muss ja nichts nach 24 Stunden weg sein, aber länger als 3 Monate braucht man kein Chatinhalt. Wenn Infos sicher ankommen sollen: schreibt ne E-Mail oder mentioned mich in ein einem Issue. Wenn es dazu kein Issue gibt, macht eins auf.
Auch bringt es nix wenn du 1000 Chaträume hast wo überall Ablenkung herkommen kann. Mach es so wie Shopify und encouraging employees to leave large, distracting Slack groups. Und flutet den Chat nicht mit Romanen. Chats sind entweder Diskussionen in Satzlänge oder kurze Broadcasts an die Gruppe. Wenn mehr Info nötig ist, dann schickt ein kurzes relevantes Zitat und dazu ein link, am besten auf das dazugehöhrige issue oder Wiki.

Und wenn ein Chat doch zum Ping Pong ausufert, ruft an, aber erst dann! Und frag vorher, im Chat. Aber mit Kontext und nicht nur: quick call? oder hello.

Videokonferenz

Videokonferenzen sind super wenn ich in einer kleinen Gruppe personenbezogen sprechen will. Ein Jour fixe, ein Kickoff, eine Detailbesprechung mit schneller Kommunikation. Und ich muss dazu nirgendwo hinfahren.
Technisch brauche ich an beiden Enden ein brauchbares Mikrofon und schnelles Internet. Oder zumindest einen Kopfhörer bzw. ein Headset. Es muss nicht einmal ein Headset mit Mikrofon sein. Wenn im Notebook eins verbaut ist, reicht das schon. Die räumliche Trennung von Mikrofon (dann im Rechner oder in Mundnähe) und Lautsprecher (am/im Ohr) hilft, Echos zu vermeiden.

Wieviele

Eine Videokonferenz mit 100enden Teilnehmerinnen ist sinnlos. Eine Interaktion ist nicht mehr möglich. Ab 7 Teilnehmern ist es ein Streaming mit Chat. Man kann auch mit einer VC streamen, alle muten, alle machen das Video aus. Das macht kein Sinn, da macht eine Video mehr Sinn, den das kann man Schneiden und die Zuhörer können es zu ihrer Zeit konsumieren.

Auf Konferenzen kann man mit 100enden von Leuten sinnvoll in einem Raum sein, weil die Leute auch untereinander kommunizieren können. Manchmal ist die Kommunikation zwischen den Teilnehmern wichtigere als die Konferenz selbst. Mit Zoom und Teams geht das nicht. So limit large meetings with over 50 people to a six-hour window on Thursdays.

Und bitte, bitte keine Hybrid calls: 7. Avoid hybrid calls Hybrid calls are annoying

Bewegung

Der Vorteil einer Videokonferenz ist auch das ich muten und rumlaufen kann. Wenn ich zwei Stunden Videokonferenz habe, muss ich raus laufen, sonst geht mein Hirn und mein Rücken kaputt. Experten raten zu einem Wechsel alle 20 Minuten. Es ist also kein Unhöflichkeit wenn ich mal mute und aus dem Bild verschwinde, ich höre ja weiter zu und bin nach 10 Meter Wasserhahn und zurück viel aufmerksamer.

Meetings

Ob ein Einzelgespräch, Teammeetings. Sich synchron zu Treffen kann wunderbar sein, aber auch Zeitverschwendung.

Meetings über Meetings, die von den Teilnehmern als unfruchtbar empfunden werden. Viele macht das mögliche Homeoffice glücklich, weil sie dort sinnvoll nebenher arbeiten können, wenn sie wegen »des schlechten Internets die Kamera ausschalten mussten«. Bekanntlich sind Live-Meetings besonders nervtötend, wenn sich ein Chef/Projektleiter über längere Zeit nur mit dem Einzelproblem eines einzigen Mitarbeiters befasst. Warum sitzen die anderen überhaupt da und vertun sinnlos ihre Zeit?2

Should we end meetings forever? Nicht jedes Meeting ist sinnlose Zeitverschwendung, aber wann ist ein Meeting gut?

Agenda

Was nichts bringt ist betreutes Vorlesen. Meetings müssen vorbereitet sein. Wer einlädt muss vorher eine Agenda rumschicken. Wer mich zu einem surprise meeting einlädt, bekommt mich schlecht gelaunt und unvorbereitet. Das muss, oder sollte, keine Powerpoint sein, sondern ein Stichpunkliste mit den Tagesordnungspunkten (TOP) oder ein Link auf das entsprechende issue oder Kanbanboard. Und die Ergebnisse des Meetings müssen dann am besten dort festgehalten werden. Oder halt im guten alten Protokoll.

Wenn man eine Agenda vorbereitet, egal ob im Beschreibunsgfeld der Outlookeinladung oder beim Aufräumen und generalüberholen des Kanbanboards, strukturiert man erst mal sich selbst, was man überhaupt in dem Meeting will. Das spart viel Zeit kollektiver Selbstfindung im Termin.

noAgenda

Auch wenn ich eine Agenda super finde, manchmal will man keine. Vor allem wenn man den sozialen Austausch fördern will, ist es wichtig die Gespräche der Teilnehmer nicht durch den nächsten TOP zu unterbrechen. Ein Brainstorming sollte nur ein Stichpunkt haben, ein Teambuilding gar keine Agenda.

Wann und wie oft

Ein Kalender der ausschaut wie das Periodensystem mag bunt sein, aber sinnvoll ist das nicht.

Kickoff

Am Anfang jedes Projekts, jedes Teams, jeder Zusammenarbeit sollte ein gemeinsames Treffen stehen, egal ob man das Kickoff, Auftaktveranstaltung oder Erstgespräch nennt. Hier können sich alle Beteiligten als Mensch kennenlernen und auch darüber reden wie man überhaupt zusammen arbeiten will. Beginnt man dann mit der Arbeit, muss das Team wissen wer was machen wird. Das kommt natürlich darauf an was man macht. Auf einer Baustelle schaut das anders aus als bei einer Gruppe von Codern. Aber in beiden Fällen ist es gut, dass jeder weiß was der andere machen wird.

regulars

Es gibt daylies, standups, Jour fixe oder den Morgenkreis. Es sind immer ein in einer kleinen Gruppe von Personen fest vereinbarter, regelmäßig wiederkehrender Termin.
Diese unterscheiden sich nur im wie oft und wie lang. Je nachdem wie intensiv das Team an was arbeitet soll das zwischen täglich und wöchentlich sein. Bei einem Daily sollten das 15 bis maximal 30 Minuten am Tag sein. Jedes Mitglied bekommt 3-5 Minuten Redezeit, mehr langweilt die Anderen. Bei einem Jour fixe in der Woche gern eine Stunde. So ein regular kann auch gut auf Distanz per Telefon statt finden. Video braucht man höchsten wenn einer die Agenda auf dem Bildschirm teilt.

Das gilt nicht nur für IT-Fuzzies Wenn ich mir für mein nächstes Hausprojekt etwas wünschen könnte, dann wäre das ein wöchentliches Jour-Fixe mit allen Gewerken, wo man direkt bespricht, was demnächst läuft und eventuelle Koordination oder Probleme vorab klärt.

So ein regular Meeting ist keine Gelegenheit alle Probleme durch zu diskutieren und zulösen. Sprecht nur an was los ist, was aktuell in Arbeit ist, welche Probleme es da gibt, aber auch was gut lief. Detailbesprechung dann in einzelnen Meetings oder wenn es geht auch asynchron. Gerade bei Problemen, wo andere versuchen wollen zu helfen, kann man schnell in Details ausarten, welche die Anderen nur langweilen.

Als Agenda eignet sich das aktuelle Kanbanboard des Teams. Auch ist es kontraproduktv um von Stöckchen auf Steinchen zu kommen, um auch neue Ideen fliessen zu lassen macht man ein explizites Brainstorming.

Brainstorming

Ein Brainstorming braucht man wenn man ein konkretes Problem lösen will oder auch mal allgmein bereden wie man sich als Team so ausrichten will.
Natürlich kann man neue Ideen auch asynchron haben, aber ein Brainstorming in Synchronität ist schneller und ergiebiger. Und jetzt muss man nicht megeffizient sein, sondern kann auch mal "dumme" Ideen haben, die sich auch zu was sehr Schlauen verwandeln können.

Socialize!

Weder ein Issue-Tracking-System noch ein Wiki ersetzen ein Lieblingsgetränk mit seinen Kollegen. Issues befassen sich nur mit der Sachaspekt, ein funktionierendes Team ist mehr als nur eine große Ansammlung von Aufgaben. Neben dem Vorteil das echte Gruppen von Menschen besser als Team zusammenarbeiten, birgt vor allem remote work auch die Gefahr der sozialen Isolation, die verhindert man durch soziale Beziehung.

Soziale Beziehung passiert in Teams oft von sich aus, Menschen arbeiten miteinander und bauen daher eine Beziehung zu anderen Teammitgliedern auf. Wie intensiv diese ist, hängt erst mal von den Beteilgten ab. Dabei gibt es unterschiedliche Wünsche, nicht jeder will mit Arbeits- oder Sportvereinskollegen auch noch abends auf Clubtour gehen oder Fussball kucken. Daher haben Teams unterschiedliche Formen und Häufigkeit der sozialen Bindung.
Wichtig ist nur das einzelne Teammitgliedern unter sozialen Bindung nicht leiden. Das gilt für zuviel Sozialstress: Wenn es in der Firma ständig Partydruck gibt, muss man die Freiwilligkeit betonen. Aber auch wenn ein Team nur aus fachlichen und keinerlei oder zuwenig persönlichen Austausch besteht, ist das ein Mangel. Wenn die soziale Bindung nicht von sich aus entsteht, z.B. durch remote-work, ist das eine Führungsaufgabe Möglichkeiten zu Interaktion anzubieten. Das kann der klassische Teamabend sein, aber auch in der Tätigkeit Raum für soziale Interaktion lässt, erlaubt und fördert. Wobei das immer auf die jeweiligen Bedürfnisse der Mitglieder drauf ankommt.

Für mich funktioniert gut: Ein Team sollte sich einmal in der Woche zum Austausch treffen (geht auch online), das kann man formalisieren in dem man ein regelmäßigen Termin ohne Agenda hat oder spontan ein anderes regular erweitert, ein Daily, ein Jour-Fixe. Es hängt gar nicht so sehr daran in welchen Format soziale Themen stattfinden, sondern das sie einen etablierten Raum für alle haben.

Dann alle zwei Monate als Präsenztreffen mit ausgedehnten Mittagessen und einmal im Jahr ein Tag ins Blaue fahren, einfach mal Ratschen. Aber dann ganz ohne Laptop oder anderen Arbeitskram.


  1. Gunter Dueck: Keine Sinnfragen, bitte!, Kapitel 23. Arbeitsunterbrechungen, Flow-Erlebnisse und verschiedene Hirn-Modi ISBN 9783593516110 

  2. Gunter Dueck: Keine Sinnfragen, bitte!, Kapitel 8. Sauwiegen in Meetings – das Unternehmen hat künstliches Fieber! ISBN 9783593516110